Sonntag, 6. August 2017

[Rezension] Der Geruch von Häusern anderer Leute

- Gebunden -

Autorin: Bonnie-Sue Hitchcock
Übersetzt von Sonja Finck
Verlag: Königskinder

Erscheinungsdatum: 18. März 2016
Originaltitel: The Smell Of Other People's Houses

ISBN-13: 978-3551560216
Seitenzahl: 320 Seiten
Reihe: nein

Preis: 17,99€
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Alyce weiß nicht, wie sie Fischen und Tanzen in Einklang bringen soll. Ruth hat ein Geheimnis, das sie nicht mehr lange verbergen kann. Dora will ihren Vater nie wieder sehen und wird von Dumplings Familie aufgenommen. Hank und seine Brüder hauen von zu Hause ab, doch einer von ihnen gerät dabei in große Gefahr. Und trifft auf Alyce … Hier, unweit des nördlichen Polarkreises, wo der Alltag manchmal unerbittlich ist, kreuzen sich ihre Lebenswege immer wieder. Sie kommen einander näher, versuchen einander zu retten. Und wenn man es am wenigsten erwartet, gelingt es.

Ich bin ein riesengroßer Fan von Episodenfilmen. Das sind Filme, die viele kleine Geschichten über viele verschiedene Protagonisten erzählen, die am Ende ein ganzes großes Bild ergeben und offenbaren, das alles irgendwie zusammenhängt und zwischen den Charakteren eine Verbindung besteht. Wundervoll !

Ein Buch in dieser Art zu lesen, war dagegen völlig neu, denn tatsächlich sind mir noch nicht besonders viele Bücher begegnet, bei denen sich dies so entwickelt, vielleicht gibt es sie aber und ich muss einfach nur mal meinen Horizont erweitern. Was hat das mit "Der Geruch von Häusern anderer Leute zu tun" fragt ihr Euch jetzt sicher. Nun, dieser Roman aus der Feder von Bonnie-Sue Hitchcock ist ein ebensolcher Episodenroman, wenn man ihn denn so nennen will.

Das Buch beginnt aus der Sicht von Ruth. Sie lebt in einer Kleinstadt in Alaska, in den 1970ern. Ihren Vater verlor sie als er für die Unabhängigkeit seines Landes kämpfte, ihre Mutter an die Auswirkungen ihres Verlustes. Seitdem lebt sie mit ihrer kleinen Schwester bei der strengen und scheinbar kaltherzigen Großmutter, in einem kargen Haus und ohne viel Geld.

Die Perspektive wechselt zu Dora, die im gleichen Dorf lebt. Ihr Vater ist ein Schläger, Trinker und noch Schlimmeres, die Mutter ist irgendwo im Teenageralter stehengeblieben und verschließt lieber die Augen vor Problemen, als sich um irgendetwas anderes zu kümmern, als Geld, das ohnehin knapp ist, aus dem Fenster zu werfen. Dora findet ein Heim bei der Familie ihrer besten Freundin Dumpling.

Erneuter Wechsel, diesmal zu Alyce. Sie ist die Cousine von Ruth' bester Freundin Selma, die als Kleinkind von Alyce Tante adoptiert wurde. Alyce' Traum ist es zu tanzen. Dafür trainiert sie schon ihr ganzes Leben lang ziemlich hart. Sie möchte an einem Vortanzen teilnehmen, doch dummerweise fällt dieser Termin genau in die Fischfangsaison, die sie jedes Jahr mit ihrem Vater auf dessen Boot verbringt, ihre Eltern sind getrennt. Sie liebt das Fischen und die gemeinsame Zeit mit ihrem Dad, deshalb will sie ihn nicht vor den Kopf stoßen und erzählt nichts vom Vortanzen.

Letzter Wechsel, dieses Mal zu Hank, der sich mit seinen Brüdern als blinder Passagier auf einer Fähre befindet. Sie wollen ihrem Leben entfliehen, in der Hoffnung auf ein Besseres.

Zunächst kann man sich keinen wirklichen Reim darauf machen, wie all diese kleinen Geschichten, die sehr intensiv von Wünschen, Hoffnungen und Ängsten geprägt sind, zueinander passen, doch je weiter man vorankommt, desto mehr kann man die Verbindungen erkennen.
Ich habe mir neben dem Lesen auf einem kleinen Zettel Notizen gemacht, auf dem ich Namen notiert hatte, die ich dann immer wieder mit Pfeilen zu anderen Namen verbinden konnte und irgendwann schließt sich der Kreis, denn auch wenn die Personen sich im Buch alle nur oberflächlich oder vielleicht auch noch gar nicht kennen, sind sie miteinander auf die ein oder andere Weise verwurzelt und verbunden. Ich fand diese Idee phänomenal gut.

Die Geschichten selbst sind sehr berührend, ganz besonders Ruth' hat mich mitten ins Herz getroffen.
Bonnie-Sue Hitchcock behandelt hier viele verschiedene Themen, die sie gekonnt zu einem Gesamtkonstrukt verflicht, das mich emotional mitreißen und sehr gut unterhalten konnte. "Der Geruch von Häusern anderer Leute" ist ein ruhiges Buch, aber eines, das nachhaltig im Gedächtnis bleibt und das ich ganz sicher immer wieder mal zur Hand nehmen werde.

Kommentare:

  1. Hey Ina,

    ich liebe dieses Buch! Die Autorin ist so ausdrucksstark. Mich hat es völlig mitgerissen und es ist mir immer noch im Gedächtnis geblieben, obgleich es schon eine halbe Ewigkeit her ist.

    Liebe Grüße

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    1. Huhu Kathrin,

      Oh ja, da kann ich dir nur zustimmen. Es bleibt definitiv im Gedächtnis, auch wenn für mich, zur Vollkommenheit, jetzt nochn bisschen was gefehlt hat :)

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  2. Hallo Ina!
    Das klingt wirklich nach einer ganz außergewöhnlichen Art von Buch!
    Episodenfilme, wie der klassische Weihnachtsfilm "Tatsächlich Liebe", finde ich total toll und ich wusste gar nicht, dass es auch Bücher solcher Art gibt! Sowieso liebe ich Geschichte wo sich alles irgendwann zusammenfügt, wie bei einem guten Thriller, wo die ganzen Hinweise erst am Ende plötzlich ein großes Ganzes ergeben. Dieses Buch muss ich mir auf jeden Fall ganz bald zulegen!
    Liebe Grüße,
    Hannah

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    1. Ach sehr schön, sowas liest man doch gerne :) Es ist auch absolut nur lesenswert.

      Tatsächlich Liebe ist einer meiner Lieblingsfilme. Es vergeht kein Jahr in dem ich ihn nicht mindestens zweimal sehe :)

      Generell mag ich einfach diese Episodengeschichte supergerne.

      Liebe Grüße Ina

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  3. Hey Ina,

    ich muss ja ehrlich zugeben, dass ich bisher noch kein Köngiskinder Buch gelesen habe. Aber die Rezensionen machen schon immer wieder unglaublich neugierig darauf. 😊

    Ich denke dieses wäre nicht unbedingt etwas für mich, aber es ist gut dass es auch mal solche nachdenklichen und ruhigen Bücher geben.

    Liebe Grüße,
    Ruby

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  4. Huhu!

    Eine sehr schöne Rezension, das klingt nach einem sehr interessanten Buch! :-)

    Ich habe deinen Beitrag HIER für meine Kreuzfahrt durchs Meer der Buchblogs verlinkt!

    LG,
    Mikka

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